Teilnehmerorientierte hauswirtschaftliche Aktivierung

Hauswirtschaftliche Aktivierungen sind in hohem Maß geeignete Interaktionsbereiche für betreungsbedürftige Personen. Die Teilnehmenden erleben eine sinnvolle, strukturierende Beschäftigung, die sie aus ihrem früheren Alltag kennen. Hauswirtschaftliche Aktivierungen gehören zu den „Königsdisziplinen” in der Betreuung und Beschäftigung, denn dabei werden alle Sinne angesprochen.

Die vorbereitenden Überblicke vor jeder Aktivierung enthalten für den jeweiligen hauswirtschaftlichen Bereich eine „Besorgungsliste” für die Zutaten. Vergessen Sie nicht, wichtige Haushaltsgeräte, die nur selten erforderlich sind, wie z.B. die „Flotte Lotte”,  für die Zubereitung der Hagebuttenmarmelade, rechtzeitig bereitzustellen. Der Einstieg in die Aktivierung beginnt bereits mit der Vorstellung der Zutaten.

Visuell werden die Zutaten wahrgenommen. Sie können in die Hand genommen werden und befühlt, gerochen und verkostet werden.

Durch das Zubereiten oder die Übernahme von Teilaufgaben werden motorische Fähigkeiten trainiert. Selbst motorisch gehandicapte Teilnehmende können mit kleinsten Handreichungen, gegebenenfalls mit Ihrer Unterstützung, Erfolgserlebnisse verzeichnen und dadurch ihr Selbstwertgefühl steigern. Oftmals bringen Teil­neh­men­de Ratschläge aus ihrer eigenen hauswirtschaftlichen Erfahrung ein und plaudern über ihre Hausfrauenzeit aus dem Nähkästchen.

Biografiearbeit ist ein abwechslungsreicher Pausenfüller bei ablaufbedingten Wartezeiten (z.B. bis ein Kuchen fertig gebacken oder eine Suppe gekocht ist). Kenntnisse über Zutaten, deren Herkunft, Verwendung und Zubereitung, sowie geschmackliche Vorlieben und Abneigungen hinsichtlich der Essgewohnheiten der Teilnehmende, bieten eine Fülle von Themen zum Erzählen und Erinnern.

Hier ergeben sich oft völlig neue Erkenntnisse aus dem früheren Leben der Teilnehmende. Vieles beinhaltet sicherlich auch wichtige Informationen, die in die alltägliche Pflege der Teilnehmende eingebracht werden können. Selbst für passive Zuschauer ist eine hauswirtschaftliche Aktivierung ein Feuerwerk der Sinne.

Während der Durchführung der Aktivierung können, vor allem die passiven Teilnehmende, immer wieder zu Kostproben eingeladen und damit in den Ablauf eingebunden werden. Ein positiver Effekt der Sinnesanregung, des Gemeinschaftserlebnisses und der Kostproben ist die Appetitanregung, bzw. die zusätzliche Zufuhr von Nahrung und Getränken.

Wichtige Hinweise zu Hygienevorschriften bei hauswirtschaftlichen Aktivierungen

Bitte beachten Sie unbedingt die erforderlichen Hygienevorschriften, Hinweise der Pflegekräfte im Hinblick auf Diätvorschriften, Trink- und Ernährungsprotokolle. Wichtig für sensorische Proben: Beachten Sie bitte unbedingt, ob es Teilnehmer gibt, bei denen Lebensmittelallergien bekannt sind, wie z.B. Südfruchtallergien, Allergien gegen Nüsse oder eine Laktoseintoleranz, Allergien gegen Mehl und Mehlprodukte (Zöliakie).

  • Vor und nach jeder hauswirtschaftlichen Aktivierung die Arbeitsplatte mit Wischdesinfektionsmittel desinfizieren (Informationen zum Produkt können Sie dem Hygieneplan Ihres Hauses entnehmen).
  • Vor jeder hauswirtschaftlichen Aktivierung den Teilnehmenden die Hände mit Händedesinfektionsmittel desinfizieren (Einwirkzeit beachten, normalerweise 30 sec.) und dann die Hände waschen. Einwegwaschlappen und Einweghandtücher wären ideal.
  • Bei jeder hauswirtschaftlichen Aktivierung erhält jeder Teilnehmende eine Schürze. Das kann eine Einwegschürze sein. Die Schürze ist aus zwei Gründen notwendig. Zum einen aus hygienischen Gründen. Die Lebensmittel sollen beim Kochen nicht durch die – wenn auch manchmal unsichtbare – Verschmutzung der Straßenkleidung kontaminiert werden. Zum anderen soll die Schürze die Kleidung vor Verschmutzung schützen.

Wichtige teamübergreifende Informationen für die Vergabe von Speisen und Getränken

  • Erkundigen Sie sich grundsätzlich immer vor jeder Aktivierung bei den Pflegekräften nach Besonderheiten, die im Umgang mit den Teilnehmern zu beachten sind.
  • Bitte erkundigen Sie sich bei den Pflegekräften, ob bei bestimmten Teilnehmenden Allergien/Unverträglichkeiten bekannt sind.
  • Erfragen Sie weiterhin vor der Aktivierung, ob bei bestimmten Teilnehmenden Diätvorschriften bestehen.
  • Diabetiker können nach neuen ernährungswissenschaftlichen Erkenntnissen alles essen. Auch zuckerhaltige Lebensmittel aber in Maßen. Zu vermeiden ist freier Zucker. Also z.B. das Süßen von Getränken.
  • Wichtig für die Pflegekräfte ist die Übermittlung wer, was, wie viel gegessen hat, besonders dann, wenn ein Ernährungsprotokoll geführt wird. Das gilt genauso bei den Teilnehmern, die ein Trinkprotokoll haben. Einige Ihrer Teilnehmer werden ein Ernährungsprotokoll und/oder ein Trinkprotokoll haben. Meist sind es Teilnehmer, die wenig essen, ein zu geringes Körpergewicht haben und/oder wenig trinken. Oder aber, nur eine ganz bestimmte Menge essen/trinken dürfen! Diese Protokolle sorgfältig zu führen ist wichtig. Klären Sie bitte, wie das, was im Rahmen Ihrer Betreuungs- und Beschäftigungstätigkeit gegessen und getrunken wird, in diese Protokolle aufgenommen werden kann.

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