Achtsamkeit in der Seniorenbetreuung

und Aktivierungen zu diesem Thema

Achtsamkeit in der Betreuung finden viele Fachkräfte wichtig, wissen aber nur selten, wo sie ansetzen können. Das Ziel einer empathischen Alltagsbegleitung liegt darin, statt eines wahllosen Angebots die alten Menschen einzeln und bewusst zu beschäftigen. Wichtig ist auch, die Überfülle an Reizen bewusst zu reduzieren, damit Aufmerksamkeit für wohltuende Impulse entstehen kann.

Achtsamkeit beginnt beim Miteinander:

Wie ist der Umgangston im Team sowie zwischen den Senior:innen?

Welche schwerhörigen Personen benötigen eine langsame, klar artikulierte Sprechweise, statt dass laut ins Ohr gebrüllt wird? Wer reagiert schnell gestresst, wenn zu schrill gesprochen wird oder der Geräuschpegel steigt?
Wie oft schallt im Hintergrund ein Radio, dem niemand zuhört, das aber zu Unruhe führt?
Oder flackert der Fernseher ständig im Gruppenraum und erzeugt ein nervöses Geflimmer, das den Anwesenden nicht guttut?

Häufig werden Radio und Fernseher angestellt, damit die Senior:innen sich im Zimmer nicht allein fühlen. Doch welche der Bewohner:innen schätzt diese Dauerberieselung tatsächlich? Und was entspricht ihren Wünschen stattdessen?

Achtsamkeit ist das bewusste Auswählen von Angeboten:

Welche Interessen haben die Senior:innen wirklich? Wie oft werden sie zu einer Gruppe zusammengefasst und gemeinsam betreut, ohne dass nach den Wünschen der Einzelnen gefragt wird? Welche Kleingruppe könnte zusätzlich angeboten werden, die bisher thematisch fehlt und für die es motivierte Teilnehmende gäbe?
Manchmal hilft es, eine Gruppe zu verkleinern und stattdessen ein weiteres Angebot für diejenigen zu starten, die gelangweilt oder störend wirken.

Achtsamkeit entsteht durch die gezielte Gestaltung des Alltags:

Wann darf es bewusst ruhig im Wohnbereich sein? Wann bemüht sich das Team gemeinsam, die Bewohner:innen zu animieren und zu einem gemeinsamen Erlebnis mitzureißen? Wann ist im zeitlichen Ablauf von Pflege und Mahlzeiten der passende Zeitraum für Gemeinschaft? Wann kann die Zeit der Betreuung für einzelne Senior:innen genutzt werden?
Statt alle und keinen zugleich zu unterhalten, lohnt es sich, klare Zeile festzulegen:
Wer ist eher morgens aktiv und kann allein oder in einer Gruppe umsorgt werden? Wer wird erst im Lauf des Nachmittags so richtig munter und freut sich über Aktivitäten mit Gleichgesinnten? Wer ist generell lieber für sich und empfindet Gemeinschaft als anstrengend?

Allein durch eine bewusste Auswahl der Angebote und ein freundlich-kritisches Hinterfragen der Gewohnheiten im Team lässt sich deutlich mehr Wohlbefinden schaffen.

Auch für die Betreuenden ist eine achtsame Haltung im Team wichtig:

Wer bietet lieber ruhige Gruppen an? Wer ist glücklich, wenn es richtig turbulent wird? Wer mag Routineaufgaben? Und wer blüht auf, wenn neue Ideen umgesetzt werden können?
Alle Mitarbeitenden profitieren davon, wenn sie sich entsprechend ihrer Begabungen und Interessen einbringen können. Daher ist es sinnvoll, die Aufgaben im Team bewusst zu verteilen und regelmäßig darüber zu sprechen, ob alle mit ihren Schwerpunktthemen zufrieden sind.

Angebote für Achtsamkeit 

Gestalten Sie die Woche bewusst:

Der Alltag hochaltriger Menschen verläuft häufig sehr gleichförmig. Etablieren Sie Rituale wie das gemeinsame Waffelbacken an einem bestimmten Wochentag, den „Tiertag“ mit dem Hund einer Ehrenamtlichen oder das Musizieren mit einer Kindergartengruppe. Bereits ein zehnminütiger Impuls durch eine Betreuungskraft kann die Aufmerksamkeit auf den aktuellen Tag lenken:

Erzählen Sie, welche berühmte Person heute geboren ist und welchen Gedenktag wir haben (jeder Tag ist ein Gedenktag! Überraschende Impulse finden Sie im Internet). Verweisen Sie auf eine bestimmte Tradition, die in Ihrer Region gepflegt wurde: Landwirtschaftliche Arbeiten oder Highlights wie Viehmärkte an bestimmten Tagen im Jahr,  religiöse Bräuche, Rituale und Feste in der Nachbarschaft…

Erleben Sie gemeinsam die Jahreszeiten:

Damit die Zeit nicht unbemerkt vorbeifliegt, helfen Sie den Bewohner:innen, die Jahreszeiten bewusst zu verfolgen. Wichtig ist dabei, nicht nur hinter verschlossenen Türen und Fenstern Aktivitäten durchzuführen, sondern immer wieder bewusst nach draußen zu gehen.

Schaffen Sie dabei regelmäßig die Möglichkeit zu einem kurzen begleiteten Spaziergang, einer kleinen Aktivität auf der Terrasse oder einer „Blumen-Sprechstunde“ auf dem Balkon. Es muss kein großer Ausflug sein, schon zwanzig Minuten im Freien reichen, um ein Gefühl für die aktuelle Jahreszeit zu bekommen. Auch für die Bildung des wichtigen Vitamin D ist es wichtig, sich regelmäßig mit den Senior:innen draußen aufzuhalten.
Viele Anregungen zum saisonalen Gestalten finden Sie hier.

Bieten Sie einen Wechsel von ruhigen und lebhaften Angeboten an:

Geben Sie dem Schlager-Chor genauso eine feste Zeit im Wochenplan wie dem Yoga oder den Entspannungsübungen. Natürlich ist es wichtig, die Senior:innen zu Bewegung anzuregen oder Kommunikation zu gestalten. Da die hochaltrigen Menschen relativ eng zusammenleben und immer wieder Konflikte entstehen, ist auch das bewusste Loslassen und Entspannen notwendig.

Einzelne Achtsamkeitsübungen finden Sie hier.

Geben Sie den Senior:innen die Möglichkeit, sich sinnvoll zu betätigen

Welche der Hauswirtschaftskräfte hat Freude daran, einzelne Senior:innen in die täglichen Aufgaben einzubeziehen? Und welche Bewohner:innen haben Lust, Handtücher zu falten oder Kartoffeln zu schälen? Können manche alten Herren den Hausmeister unterstützen? Oder hat die Ehrenamtliche, die zum Kuchenbacken kommt, Lust, vorher mit einer Person gemeinsam einzukaufen?
Wenn Alltagstätigkeiten bewusst erlebt werden, trägt die Achtsamkeit den Aufgaben gegenüber dazu bei, Stolz auf den eigenen Beitrag zu sein. Egal, wie groß oder klein er sein mag.

Einzelne Hauswirtschafltichübungen finden Sie hier.

Dieser Beitrag wurde von der Autorin Marie Krüerke erstellt. In einer Hamburger Senioren-Residenz leitet sie Gruppen und Veranstaltungen. Bei Vincentz Network erhältlich sind ihre Bücher “Atemfreunde” und “Gruppenspiele für gute Laune”.

Dieser Beitrag wurde von der Autorin Marie Krüerke erstellt. In einer Hamburger Senioren-Residenz leitet sie Gruppen und Veranstaltungen. Bei Vincentz Network erhältlich sind ihre Bücher “Atemfreunde” und “Gruppenspiele für gute Laune”.

Die beliebtesten Aktivierungen zum Thema Achtsamkeit

Kieseltransport
Lachyoga im Herbst
Spaziergang im Herbst