Kreative Angebote mit SeniorInnen

In gemütlichen Runde zu häkeln und zu stricken, während Kaffee ausgeschenkt wird und sich alle über ihre Enkelkinder austauschen, ist für viele ältere Damen das Highlight der Woche. Wenn sie am Ende neue Produkte für den Basar vorzeigen können oder frisch genähte Säckchen mit Lavendelblüten in der Demenz-Abteilung vorbei bringen, sind sie stolz und dankbar.

Allerdings stellen viele Damen zunehmend fest, dass sie nicht mehr unbeschwert am Handarbeiten teilnehmen können: Die Finger werden durch Arthrose steif, die Handgelenke schmerzen beim Stricken, die Augen lassen nach, das Zittern der Finger nimmt zu…

Wie können wir die SeniorInnen unterstützen, dennoch Freude am gemeinsamen Schaffen zu empfinden?

 

Rollen aufteilen:

Normalerweise bearbeiten die Damen alle ihr eigenes Projekt von Anfang bis Ende. Dies wird schwierig, sobald die Motorik oder das Sehvermögen nachlassen. Wenn die einzelnen Arbeitsschritte von verschiedenen TeilnehmerInnen ausgeführt werden, kann jede die Tätigkeit beitragen, die sie noch schafft:
Material vorbereiten, Stoffe zusammenstecken und zuschneiden, Wolle aufwickeln, halbfertige Produkte wenden, bügeln, Fäden vernähen…. Dadurch wirkt die Handarbeitsrunde eher wie eine kleine Produktionsstraße, aber wenn sich auf diese Weise alle beteiligen können, ist es die Umstellung in der Arbeitsweise wert.

 

Passendes Material wählen:

Viele Effektgarne werden mit sehr großen, dicken Nadeln gestrickt. Sie können besser gegriffen werden, sodass Probleme beim Stricken dadurch aufgefangen werden können. Statt sehr glatten Nadeln aus Plastik verwenden manche Damen lieber welche aus Bambus oder Holz, auch hier lohnt ein Versuch.

 

Einzelne Aufgaben vergeben:

Es fallen viele Tätigkeiten rund um das Handarbeiten an, die nichts mit dem eigentlichen Hobby zu tun haben: Material sichten, Wollknäuel wieder aufwickeln, Nadeln sortieren, Knöpfe ordnen usw. Wer so schlecht sieht, dass keine eigenen Projekte mehr umgesetzt werden können, mag vielleicht „Materialverantwortliche“ sein. Sie können Teil der geselligen Runde bleiben und einen Beitrag leisten, ohne mit kleinen Nadeln kämpfen zu müssen.

 

Was können wir herstellen und wie werden unsere Kreationen verwendet?

– Für die Demenz-Abteilung häkeln die Damen Kraken mit vielen Armen aus Wolle, die dazu dienen, betastet zu werden und die motorische Unruhe zu lindern
– Auch besonders kleine Mützchen für die Säuglings-Intensivstation sind ein wertvoller Beitrag für die nächste Generation. Wer keine eigenen (Ur-)Enkelkinder hat, kann auf diese Weise etwas für den Nachwuchs beitragen
– Ganz einfach lassen sich Duftsäckchen zum Reiben und Schnuppern und Tastsäckchen (gefüllt mit trockenen Bohnen, Knöpfen, Reis, Nudeln) nähen, die in der Einzelbetreuung sowie Gruppenstunden benutzt werden können
– Aus Stoffresten entstehen Girlanden, die über die Terrasse gespannt werden oder eine gemütliche Ecke einrahmen

– In manchen Orten am Meer gibt es eine große Holzkiste neben der Mülltonne am Strand, die mit Stoffsäcken gefüllt ist. Die Stoffsäcke werden von Freiwilligen benutzt, um den Strand von Müll zu befreien. Am Ende des Spaziergangs werden die Taschen im Mülleimer ausgeleert und zurück in die Truhe gelegt.
Für den örtlichen Park können die Damen ebenfalls Stofftaschen zum Müllsammeln nähen.
– Die Plastikverpackungen von Taschentüchern sind mit verkrümmten Fingern nur schwer zu verwenden. Taschentüchertaschen aus Stoff können mit einer Packung Taschentücher gefüllt werden, die sich durch einen mittigen Schlitz leichter entnehmen lassen. Für die Taschentüchertaschen reichen Stoffreste, die auf diese Weise sinnvoll verwendet werden. Mit Aufnähern und individuellen Labels können sie zusätzlich personalisiert werden.

Wie auch Herren kreativ werden können

Damit auch Herren bei kreativen Angeboten Lust zum Mitmachen bekommen, eignen sich Erinnerungsalben: Hier können sie neben Familienbildern auch Auszeichnungen, Urkunden und andere Beweise ihres Erfolgs einkleben.

Die Anleitung für abwechslungsreiche Erinnerungsalben ist hier zu entdecken: Erinnerungsalbum basteln.

Auch bei der Gestaltung des Außenbereichs packen Männer gern mit an, beispielsweise bei der Neugestaltung der gemeinschaftlichen Terrasse: Ein Balkon für alle Sinne.

Für den Balkon können Klang-Mobilés aus diversen Fundstücken gebastelt werden, dabei tüfteln die Herren besonders intensiv am Gleichgewicht zwischen den einzelnen Stäben und den daran befestigten Elementen.
Auch das Reparieren von Nistkästen mit dem Hausmeister eignet sich für fitte Männer. Wer gern mit Holz arbeitet, kann einfach Fußschemel aus drei Holzstücken anfertigen, die später verschenkt oder auf dem Basar verkauft werden.

Dieser Artikel wurde von der Autorin Marie Krüerke erstellt. In einer Hamburger Senioren-Residenz leitet sie Gruppen und Veranstaltungen. Bei Vincentz Network erhältlich sind ihre Bücher Atemfreunde und Gruppenspiele für gute Laune.

Dieser Artikel wurde von der Autorin Marie Krüerke erstellt. In einer Hamburger Senioren-Residenz leitet sie Gruppen und Veranstaltungen. Bei Vincentz Network erhältlich sind ihre Bücher Atemfreunde und Gruppenspiele für gute Laune.