Zielgruppengerecht planen: Das passende Angebot für alle 

In den meisten Senioreneinrichtungen leben vorrangig Frauen. Auch die Mitarbeitenden der sozialen Betreuung sind oft weiblich, entsprechend ist das meiste Programm auf hochaltrige Damen zugeschnitten. Doch auch die Damen haben unterschiedliche Wünsche an das Programm: Manche mögen es eher ruhig und klassisch, manche schätzen Aktion und Abwechslung. 
Um allen Ansprüchen gerecht zu werden, liegt es nahe, dass das wöchentliche Programm möglichst abwechslungsreich sein sollte. Dabei können Sie im Wochenplaner einen bunten Stundenplan zusammenklicken, bei dem alle Wünsche berücksichtigt werden und den Sie anschließend nur noch ausdrucken brauchen. 

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Bandbreite von kognitiv bis aktiv, von leise zu laut

Kognitive Gruppen

Bieten Sie verschiedene Gruppenstunden an, die die Verarbeitung von Reizen im Gehirn anregen: Gedächtnistraining, Quiz und Ratespiele, kreatives Schreiben.
Für das Training können Sie kleine Gegenstände mitbringen, wie zum Beispiel Münzen, und mit vielseitigen Übungen die Senior:innen ganzheitlich anregen.

Hier ein Beispiel: Aktivierungsangebot Münzenballet.

Wenn Sie die Verarbeitung von Reizen trainieren wollen, können Sie Lesen und Bewegungen miteinander anhand eines Alphabets verbinden: Aktivierungsangebot Bewegtes Alphabet.
Starten Sie eine Hauszeitung, die von den Bewohner:innen mitgestaltet wird: Manche tragen selbst gereimte Gedichte bei, andere denken sich ein Rätsel aus, und eine fitte Senior:in fotografiert die Umgebung im Wechsel der Jahreszeiten oder hält mit Schnappschüssen Feiern und Veranstaltungen fest. Daraus entsteht ein buntes Magazin, dass Sie farbig ausdrucken, heften und an alle verteilen. Viele Senior:innen sind stolz, wenn ihr Beitrag „öffentlich“ erscheint und weisen gern Angehörige darauf hin.
Laden Sie ein Mal im Monat zur „Redaktionssitzung“ ein, wo gemeinsame Themen und Texte entstehen. Dort können Sie zur Anregung der Kreativität zu Beginn gemeinsame „Aufwärm-Spiele“ anleiten, bei denen alle zusammenarbeiten und die Formulierungsfähigkeit trainieren: Aktivierungsangebot Inserat aufgeben.

Sport-Gruppen

Für die körperliche Fitness bieten sich Rollatortanz, Gymnastik, Atemgymnastik, begleitetes Schwimmen, Yoga und Entspannung an.
Wenn Sie dabei abwechslungsreiche Materialien einsetzen, bleibt die Motivation am gemeinsamen Sport erhalten.

Testen Sie einmal, wie viel Spaß Ihrer Gruppe die Übungen mit Springseilen machen: Aktivierungsangebot “Balancieren mit den Stecken auf dem Seil”.
Oder verführen Sie die Teilnehmenden zu einer Runde „Ski-Gymnastik“: Aktivierungsangebot Skigymnastik mit Stöcken.

Lachyoga erlebt steigende Beliebtheit, da eine sanftes Training des Kreislaufs mit einem bewusst erlebten, fröhlichen Miteinander kombiniert wird: Aktivierungsangebot “Lachyoga im Herbst”.
Wenn Sie sehen, dass einzelne Bewohner:innen unter Verspannungen von Nacken und Schultern neigen, können Sie in einem ruhigen Setting Hilfe schaffen: Aktivierungsangebot “Gymnastik: Nacken und Schultern lockern”.

Probieren Sie, ob eine Spaziergangsgruppe Anklang findet: Unterwegs laufen die Senior:innen teilweise als Paar mit geschlossenen Augen, sollen die Rinde von Bäumen ertasten oder einen kleinen Frühlingsstrauß aus Wiesenblumen sammeln. Hier finden Sie konkrete Anleitungen für einen Aufenthalt einer Kleingruppe im Freien: Aktivierungsangebot “Wir gehen raus die Natur entdecken”.
Zur Einzelbetreuung von eher stillen Senior:innen eignet sich auch ein verlässlicher Termin für einen wöchentlichen Spaziergang: Aktivierungsangebot “Der wöchentliche Spaziergang”.

Wer am Gruppentisch für Bewegung und Reaktionsgeschwindigkeit sorgen möchte, kann die Anwesenden mit diesem Farbenspiel mit Bechern und Bällen herausfordern: Aktivierungsangebot “Bunt gehts rund”.

Kreatives Gestalten

Gerade bei den Damen beliebt sind klassische Gruppen wie Handarbeiten, Basteln und Zeichnen. Überraschen Sie die Senior:innen mit Mandalas, die nur angemalt zu werden brauchen, dann erübrigt sich die Suche nach einem Motiv und die Angst vor einer möglicherweise anstrengenden Umsetzung. Da sie „nur ein paar Farben aussuchen und ausmalen brauchen“ fällt vielen Bewohner:innen der Umgang mit Mandalas leichter als ein eigenes Bild.
Testen Sie einmal, ob die Damen Lust auf lufttrocknende Modelliermasse haben, als leichte Alternative für einen Töpferkurs.
Auch großformatige Collagen aus Fundstücken wie Ästen, Klorollen, Bonbonpapier machen Spaß. Kleine Dekorationen passend zu den Jahreszeiten können anschließend im Gemeinschaftsraum aufgehängt werden. So entstehen ganz einfache und moderne Ostereier: Aktivierungsangebot “Sinnesaktivierung im Frühling”.

Wer lieber allein in Ruhe bastelt, freut sich sicherlich über eine Einzelbetreuung, in der gemeinsam ein Erinnerungsalbum gebastelt wird: Aktivierungsangebot “Erinnerungsalbum basteln”.
Die Herren haben vielleicht Lust, mit dem Gärtner oder Hausmeister Nistkästen und Vogelhäuser zu bauen oder einfach nur zu reparieren und neu aufzuhängen.

Gemeinschafts-Aktionen

Um den Gruppenzusammenhalt zu stärken, eignen sich Besuche mit Therapietieren oder ein gemeinsames hauswirtschaftliches Projekt wie ein Pflaumenkuchen: Die einen schneiden die Pflaumen auf und lösen Kerne heraus, andere wiegen die Zutaten für den Teig oder kneten ihn. Am Ende freuen sich alle am gemeinsamen Ergebnis. Oder probieren Sie eine fröhliche Cocktailrunde aus: Aktivierungsangebot “Die beliebte Cocktailrunde”.

Auch ein Chor sorgt für gute Stimmung, für eher ruhige Bewohner:innen reicht manchmal eine Vorlesestunde im kleinen Kreis.

Neben Themen für Frauen auch Schwerpunkte für Männer einplanen

Da die meisten Betreuenden wenig Ideen für bewusst männliche Themen haben, lohnt es sich, im Kollegium zu recherchieren:
Welche Hobbies haben die Kollegen aus Haustechnik, Küche und Pflege? Lässt sich davon etwas als kleines Projekt oder Gruppenstunde für die alten Herren anbieten?
Ein Grillabend mit dem Koch beispielsweise, wo sogar Männer Gemüse für den Salat schneiden und das Fleisch marinieren. Oder eine Patenschaft, bei der Ehrenamtliche mit Hund jeweils einen Bewohner zum Gassi gehen mitnehmen. Auch das gemeinsame Bepflanzen von Hochbeeten für einen Kräutergarten macht Spaß. Ein Bienenhotel, für das miteinander Zweige, Heu und Scherben gesammelt werden und anschließend ein großer Kasten gebaut wird, schweißt die Herren zusammen.

Hier finden Sie ein Quiz zum Thema „Angeln“,  für muntere Teilnehmer sorgt die Bewegungsübung „Stuhlfußball“. Männer, die früher gern im Haus gewerkelt haben, freuen sich über die Gymnastikstunde zum Thema „Wir renovieren“.

Experimente wagen

Starten Sie eine Umfrage: Welches Bedürfnis wird aktuell nicht gestillt, wo erleben die SeniorInnen eine Einseitigkeit oder einen Mangel? Viele Angebote entstehen durch die Interessen und den Einsatz einzelner Betreuungskräfte. Dann können bestimmte Themen überrepräsentiert sein, während andere Gruppen brachliegen.
Gibt es jede Woche etwas geistig Anregendes für den Kopf, etwas Schwungvolles für den Körper, etwas Kreatives für die Hände und etwas Spirituelles für die Seele?

Gibt es Kolleg:innen aus anderen Abteilungen, die ein zeitlich begrenztes Projekt anbieten können, weil sie ein besonderes Hobby haben? Oder die gern einen Fotovortrag über ihre Reisen halten?
Auch Mitarbeitende aus anderen Ursprungsländern können mit einem arabischen Cafe oder einer englischen Tea-Time ein besonderes Erlebnis ermöglichen. Hier ein Beispiel mit der Aktivierung “Teatime: die britische Teezeremonie”.

Laden Sie Gäste aus dem Stadtteil für eine Schnupperstunde ein (eine Musik- oder Kunstlehrerin, eine Person aus dem Naturschutzverein, eine pensonierte Schauspielerin): Wollen die Senior:innen dieses Angebot langfristig erleben? Oder gibt es einen Ort, der mit einer Umgebungstour entdeckt werden kann? Mehr Infos mit der Aktivierung “Erkundungstouren in der Umgebung”.

Versuchen Sie eine Kooperation mit einem Kindergarten oder einer Schule im Stadtteil für ein  gemeinsames Chorprojekt zu starten. Auch eine Schreibwerkstatt oder ein regelmäßiges Treffen im Wald zum Naturerleben verbindet die Generationen.

Um einen guten Überblick zu behalten, können Sie den Wochenplaner benutzen: Einfach online die einzelnen Aktivitäten anklicken und einfügen, schon entsteht ein abwechslungsreiches Programm!

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Dieser Beitrag wurde von der Autorin Marie Krüerke erstellt. In einer Hamburger Senioren-Residenz leitet sie Gruppen und Veranstaltungen. Bei Vincentz Network erhältlich sind ihre Bücher “Atemfreunde” und “Gruppenspiele für gute Laune”.

Dieser Beitrag wurde von der Autorin Marie Krüerke erstellt. In einer Hamburger Senioren-Residenz leitet sie Gruppen und Veranstaltungen. Bei Vincentz Network erhältlich sind ihre Bücher “Atemfreunde” und “Gruppenspiele für gute Laune”.