Die Jahreszeiten erleben: Saisonale Angebote gestalten
Für viele SeniorInnen, die von kognitiven oder körperlichen Einschränkungen betroffen sind, wird der Spielraum im Alltag immer enger: Sie hören weniger, sie sehen weniger, sie sind öfter müde oder vergesslich. Scheinbar ist ein Tag wie der andere und es fällt vielen hochaltrigen Menschen schwer, sich noch für ihre Umgebung zu interessieren.
Manchmal ist das Einzige, was sich verändert, der Lauf der Jahreszeiten. Entsprechend wichtig ist es, immer wieder den Gruppenraum zu verlassen, um mit kleinen Aktionen die Lebenslust zu wecken.
Nutzen Sie sämtliche Räume der Einrichtung möglichst vielfältig:
Beziehen Sie Balkone und Terrassen in die Aktivitäten mit ein.
Bepflanzen Sie jedes Jahr im Frühling in kleinen Gruppen die Balkonkästen und Kübel am Eingang, um die Außenflächen einladend zu präsentieren. Damit auch Insekten sich an den Blüten erfreuen können, eignen sich die folgenden Blumen:
- Krokusse, Veilchen, Tulpen und die Blüten des Rosmarins blühen im Frühling
- Im Sommer blühen Akelei, Malve, Lobelien, Kokardenblumen, Spiräe, Sommerflieder, offene Rosen, Glockenblumen, Stockrosen, Fingerhut (giftig!), Königskerze, Mohn, Kornblume, Margeriten, Verbenen, Lavendel (der klassische französische, nicht der gezüchtete Schopflavendel), Ringelblume, Kräuter: blühender Schnittlauch, Salbei, Thymian, Minze und Oregano
- Im Herbst blühen Sonnenblumen (darauf achten, dass sie Pollen zum Sammeln für Bienen haben), Disteln, Astern
Sie können auch einfach Balkonkästen mit diversen Kräutern bepflanzen: Darüber freuen sich die Insekten, die Kräuter können von den SeniorInnen abgezupft und zum Schnuppern zerrieben werden, auch eine ganze Aktivierungsstunde zum Thema „Kräuter“ kann sich anschließen: hier.
Verteilen frische Minze an alle, sodass sich zu Beginn der Gruppenstunde die Anwesenden die Blättchen vom Stängel in die Tasse zupfen können und Sie brühen den Tee frisch am Platz auf, indem Sie mit einer Thermoskanne voll heißem Wasser von Platz zu Platz gehen.
Für ein Grillfest können die BewohnerInnen einen Teil der Gewürze ernten und für Salate, Kräuterbaguette und Marinaden verwenden.
Gestalten Sie Balkone und Terrassen mit einfachen Mitteln so interessant, dass alle Sinne angesprochen werden und die BewohnerInnen dort gern verweilen:
Mit klimpernden Mobiles oder Wasserspielen, duftenden Blüten, Schüsseln voller feinem Sand und Muscheln zum Tasten. Pflanzen Sie Johannisbeeren in Kübeln, damit alle davon naschen können. Umfangreiche Anregungen für einen „Ort der Sinne“ im Freien finden Sie hier: Aktivierungsangebot “ein Balkon für alle Sinne”.
Trommeln Sie eine Herren-Runde zusammen, um Nistkästen zu reparieren und neu aufzuhängen. Sie können auch gemeinsam trockenes Gras, Äste, Stroh und Tonscherben sammeln und als Füllung für ein Bienenhotel benutzen.
Für Nistglocken benötigen Sie lediglich Heu und die leeren Plastiktöpfe, in denen Sie die Blumen für Terrasse und Balkon gekauft haben: Bündeln Sie das Heu, umwickeln es mit Paketband und ziehen Sie das Paketband durch die Löcher des Blumentopfs, sodass das Heu fest im Topf sitzt. Zuknoten und im Baum aufhängen, um Insekten ein Zuhause zu geben.
In manchen Häusern gibt es eine Garten-Gruppe, die sich um Hochbeete kümmert oder Meisenknödel aufhängt.Gestalten Sie bei gutem Wetter ein „Eis-Café“ auf der Terrasse, wo Sie Sonnenschirme aufstellen, Limonade und Eisbecher servieren.
Als Idee für besonders heiße Sommertage:
Füllen Sie Schüsseln mit Wasser für erfrischende Fußbäder und spielen Sie gemeinsam „Kieseltransport“, um die Motorik der Füße anzuregen.
Auch Ehrenamtliche mit Hund können die BewohnerInnen auf der Terrasse besuchen, sogar der Einsatz von Therapietieren ist im Freien gut möglich.

Entdecken Sie gemeinsam die Umgebung
Manche BewohnerInnen wohnen schon lange im Stadtteil und sind aus ihrem Zuhause nur einige Meter weiter in die Einrichtung gezogen. Andere wohnten jahrzehntelang in einer ganz anderen Stadt und zogen ein letztes Mal um, damit die Familie sich vor Ort mit kurzen Wegen besser um sie kümmern kann. Sie fühlen sich oft fremd im Heim und freuen sich, wenn sie die Umgebung bei Spaziergängen besser kennenlernen können.
Dabei eignen sich kleine Ausfahrten mit Einzelbetreuung genauso wie Grüppchen von drei BewohnerInnen mit einer Betreuerin.
Besuchen Sie gemeinsam den Wochenmarkt oder freunden Sie sich mit den Enten am Teich im Park an.
Beliebt sind auch Spaziergänge mit Erlebnischarakter, die alle Sinne anregen: Aktivierungsangebot “Spaziergang für alle Sinne”.
Erste Frühlingsboten lassen sich im Garten gemeinsam entdecken, sie werden anschließend im Gruppenraum für eine abwechslungsreiche Stunde benutzt: Aktivierungsangebot “Knospenzweige zum Frühlingsanfang”.
Beziehen Sie die SeniorInnen aktiv mit ein, indem sie Kastanien, Blätter und andere Fundstücke für eine gemeinsame Herbststunde sammeln. Passende Ideen zur Umsetzung finden Sie im Stundenentwurf „Blätterwald“, oder trainieren Sie die Motorik mit Hilfe von Kastanien: Aktivierungsangebot “Kastanien Handschmeichler”.
Auch eine Begleitung des Spaziergangs mit Musik ist eine fröhliche Aktion, beispielsweise mit einem Akkordeon oder Blasinstrumenten.
Und was tun Sie, wenn es regnet?
Lachyoga hebt die Stimmung und mit jahreszeitlichen saisonalen Themen laden Sie die Jahreszeit einfach nach drinnen ein!
Probieren Sie die folgenden Aktivierungsangebote aus: Lachyoga im Frühling, Lachyoga im Sommer, Lachyoga im Winter.
Auch eine Quiz-Runde eignet sich, um am Tisch gemeinsam Spaß zu haben. Wenn der Kalender „Sommer“ anzeigt, aber gerade die Außenbereiche nicht genutzt werden können, probieren Sie doch dieses Angebot aus: Quiz zum Thema Sommer.
Nach Weihnachten entsteht oft eine große thematische Leere, bis Karneval oder Frühling als Motto genutzt werden können. Hier sorgt eine Stunde über „Schnee“ für Abwechslung: Schnee Spiele.
Mit Atemgymnastik wecken Sie den ganzen Körper und vertiefen die Atmung. Im Rahmen einer erzählten Geschichte können auch Menschen mit demenziellen Veränderungen den Bewegungen gut folgen. Laden Sie alle zu einem Urlaub nach Schweden ein mit der Aktivierung “Atemfreunde: Urlaub in der schwedischen Hütte”, oder erleben Sie einen Herbstspaziergang, während alle im Trockenen sitzen.
Eine Checkliste im Download hilft Ihnen, bei der Planung saisonaler Angebote den Überblick zu behalten!
Dieser Beitrag wurde von der Autorin Marie Krüerke erstellt. In einer Hamburger Senioren-Residenz leitet sie Gruppen und Veranstaltungen. Bei Vincentz Network erhältlich sind ihre Bücher “Atemfreunde” und “Gruppenspiele für gute Laune”.


Dieser Beitrag wurde von der Autorin Marie Krüerke erstellt. In einer Hamburger Senioren-Residenz leitet sie Gruppen und Veranstaltungen. Bei Vincentz Network erhältlich sind ihre Bücher “Atemfreunde” und “Gruppenspiele für gute Laune”.